Bedeutung und Probleme des Streuobstanbaus

Streuobst, die Mischung macht´s

Der Name Streuobstwiese geht auf die unregelmäßige Pflanzung verschiedener Obstbaumarten in der der Landschaft zurück. Der naturnahe Anbau der riesigen Palette heimischer Obstsorten, in losen Reihen, in Gruppen, oder in ganz unregelmäßiger Anordnung. Sie vermitteln den Eindruck, als ob die Bäume über die Wiesen gestreut sind. Zum Streuobst zählen hochstämmige Apfel-, Birnen-, Kirsch-, Zwetschgen-, Pflaumen- und Walnussbäume. Sie stehen auf Wiesen, Feldern, in Gärten aber meisten am Ortsrand. Unter hochstämmig versteht man eine Mindeststammhöhe von 1.60 m, bei Neuanpflanzung von 1,80 m.

Streuobstwiesen sind eine von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft.

In vergangenen Zeiten waren viele Dörfer von Obstbaumgürteln umgeben. Ihr vielfacher Nutzen verhalf dem Obstanbau zum kontinuierlichen Aufstieg.
Heute wird vor allem der ästhetische Wert gesehen, den die Streuobstwiesen mit ihren hochstämmigen Obstbäumen und dem bunt blühenden Unterwuchs unserem Landschaftsbild vermitteln. Vergessen werden darf aber nicht, dass es vor allem Verbrauchsgewohnheiten früherer Generationen und wirtschaftliche Überlegungen waren, die zur Entwicklung und Ausdehnung des Streuobstbaus in Baden-Württemberg führten. Streuobst erfreute sich als Tafelobst, als Brenn- und Mostobst, zu Mus, Marmelade und Kuchen verarbeitet in allen Gesellschaftsschichten größter Beliebtheit.

Konkurrenz aus aller Welt

Bald nach dem 2. Weltkrieg wurde der deutsche Markt wieder offen für Produkte aus aller Welt. Heimisches Obst verlor seine Attraktivität zugunsten importierter Südfrüchte. Limonaden und Süßspeisen verdrängten bald darauf Äpfel und Birnen vom Markt. Die Obstbaugenossenschaften versuchten ihre wirtschaftlichen Verluste mit neuen Produkten aufzufangen, investierten in die großtechnologische Herstellung von Fruchtsäften. Nicht mehr Sortenvielfalt sondern hohe Erträge waren gefragt. In den klimatisch begünstigteren Regionen wurde der Obstanbau auf betriebswirtschaftliche billigere Niederstamm-Kulturen umgestellt. Unter dem Druck des Wettbewerbs wurde der Hochstamm-Obstanbau zu Grabe getragen.

Der MARKT

Rationelle Wirtschaftsweisen, Mechanisierung, Dünge– und Spritzmitteleinsatz garantieren hohe Erträge zu günstigeren Preisen, Obstproduktion auf kleinster Fläche. Wobei der Erzeuger dem Diktat der Handelsketten und ihrer Einkaufspolitik unterliegt.
Dazu zählen:
- Nachfrage der Verbraucher.
- Einteilung in Handelsklassen.
- logistische Gesetze.
Der Markt befindet sich nicht mehr nur in unserer Region oder großräumig in Deutschland. Der Markt ist heute in Europa bzw. in der ganzen Welt. Neuseeland auf der anderen Seite der Weltkugel bedeutet für unseren Obstanbauer eine Konkurrenz. Die Zeit der offenen Grenzen erzeugt ein Überangebot, das den Obstproduzenten zu absolut wirtschaftlichem Denken und Handeln zwingt. Der Erzeuger muß sich den Regularien dieses Marktes anpassen. Um wirtschaftlich zu überleben, bleibt im kein Freiraum für Experimente.

Schlagwort: Wachsen oder weichen

Wenn der Verbraucher zu allen Jahreszeiten frisches Obst aller Sorten zu günstigen Preisen verlangt, sind Händler darauf angewiesen, ihr Sortiment auf Obst aus wärmeren Ländern umzustellen. Die Einfuhr von Fruchtsaftkonzentraten aus Ländern mit wesentlich niedrigeren Lohnkosten als den unsrigen hat den Rückgang der Streuobstbestände noch beschleunigt. Wussten sie, dass seit 1950 die Fläche der Streuobstbestände um 75 % auf ca. 300 000 – 500 000 Hektar zurückgegangen sind? Grund dafür ist eine Agrarpolitik und ein Verbraucherverhalten, das nicht Geschmack und verträgliche Anbauweise, sondern Form Farbe und Größe zum Maßstab für Handelsklassen und damit zum Verkaufspreis erhebt.

Billige Produktion auf Kosten der Natur

Überall dort wo „unrentable“ Streuobstwiesen das Feld räumen müssen, sei es für großflächige Obstanlagen, für Wohn- und Industriegebiete oder nur weil der Baum beim Bewirtschaften stört, geht mehr verloren als nur gesunde Nahrungsmittel. Mit über 5000 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten gehören intakte Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.
Ein Streuobstbaum bietet auf mehreren Stockwerken Lebensraum für viele seltene Vögel, Kleinsäugetiere und Insekten.
Spitz- u. Feldmaus leben an seinen Wurzeln, der Igel findet dort ein geeignetes Nest, der Baumläufer, Steinkauz, Wendehals und das Rotschwänzen zählen zu seinen Bewohnern, ebenso wie Siebenschläfer und Steinmarder.

Erholungsraum und Kulturgut

Nur wenige Landschaftsformen haben für unsere Erholung eine vergleichbare Attraktivität. Als aufgelockerte Obstwiesen oder abwechslungsreiche Grüngürtel sorgen Streuobstbestände für willkommene Abwechslung in unserer immer eintönig werdenden Landschaften. Im Unterschied zu den flächig erscheinenden, landwirtschaftlichen Kulturen vermitteln Gruppen von Bäumen räumliche Tiefe, Unverwechselbarkeit und Vielfalt, den Charakter einer parkartigen Landschaft. Blütezeit und Zeit der Frucht- und Laubfärbung stellen Höhepunkte im Jahreslauf dar.
Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern besuchen Schliengen zur Obstbaumblüte und im Herbst. Streuobstwiesen am Rand von Wohngebieten erhöhen deutlich die Lebensqualität der dort lebenden Menschen. Jeder gesunde Baum produziert mehr Sauerstoff als er verbraucht. Er verarbeitet Kohlendioxid, beeinflusst die Lokaltemperatur, spendet Schatten und filtert die Luft.

 

 



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